Logopäden, Landratsamt Esslingen und AOK an einem Tisch

NÜRTINGEN (pm). Auf Initiative des Nürtinger Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold (SPD) trafen sich diese Woche Vertreter der Logopäden, des Landratsamt Esslingen und der AOK. Thema des runden Tisches waren die Sorgen der Heilmittelerbringer um ihren Berufsstand, die diese im vergangenen Jahr bundesweit gegenüber Bundestagsabgeordneten geäußert hatten.

Arnold betonte: „Dieses Feld erhält in der Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit. Mir ist es ein Anliegen, die Belange der Logopäden einer größeren Öffentlichkeit zuzuführen, die durch ihre Arbeit den Betroffenen helfen und so mit der richtigen Behandlung auch spätere Kosten reduzieren.“

Aus Sicht der ersten Landesvorsitzenden des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V., Frau Krätsch-Sievert, und der zweiten Landesvorsitzenden, Frau Sautter-Müller, gibt es mehrere Baustellen, die diskutiert werden müssen: die zu detaillierte Prüfpflicht der Logopäden für ausgestellte Rezepte der zuständigen Ärzte, die nicht hinreichend gut stattfindende Sprachförderung besonders bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern, bei der sich der Verdacht erhärte, dass diese zu spät oder gar nicht therapiert werden, sowie Regressdrohungen an die Kinderärzte, die zu viele Therapien verordnen würden. 

Dem Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, Herr Kress, führt aus, dass die Prüfpflicht für die Logopäden keine Willkür der Kasse sei. Der niedergelassene Arzt veranlasse eine Verordnung, nach der sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen richten. Hier gebe es vertragliche Richtlinien, nach denen man sich zu richten habe. Dies müsse aus Haftungsgründen gelten, schaffe aber auch zugleich Sicherheit für alle Beteiligten. Der Leiter des CompetenceCenter Heilmittel Herr Einselen, sowie der Geschäftsbereichsleiter fürs Versorgungsmanagement, Herr Kaller, betonten, dass die Richtgrößen für Heilmittelverordnungen durch die Teilnahme an der kassenärztlichen Versorgung begründet sind. Damit hätten die gesetzlichen Krankenkassen erst einmal nichts zu tun.
Die Regionalgruppensprecherin der Logopäden aus dem Kreis Esslingen, Frau Krauß, sowie die Logopädin Frau Kromer aus Kirchheim u. Teck, plädierten bei den Krankenkassen dafür, die Prüfpflicht zu vereinfachen. Nicht jede Kleinigkeit, wie beispielsweise Rechtschreibfehler, dürfen zur Absetzung der Therapie führen. Diese Prüfliste wäre ein sehr hoher bürokratischer Aufwand und müsse manchmal sogar noch vor der Behandlung erfolgen. 

Arnold fasste zusammen, dass es folglich hier zwei Problemfelder gebe: einmal das sehr hohe Fehlerpotential der Rezepte und das andere sei, wieso offensichtliche Fehler im Nachhinein nicht korrigiert werden dürften, sondern dann generell die bereits erfolgte Therapie nicht bezahlt werden würde. Die AOK hat darauf bereits reagiert und in ihren Hausarztmodellen eine Verbesserung der Software angeregt, so dass es zu weniger Fehlern komme. Frau Krauß stellte zudem fest, dass bisher jede strittige Angelegenheit in der Region mit dem zuständigen Abteilungsleiter der AOK, Herrn Einselen, unproblematisch behoben werden konnte.

Ein zweiter wichtiger Punkt in der Diskussion war der Umgang mit Migrantenkindern und deren Förderungen. Das Landratsamt, welches durch die Amtsleiterin für besondere Hilfen, Frau Schwarz, den Leiter des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt, Herr Dr. Schick, sowie die Fachberatung für die Kindertagesbetreuung, Frau Büschel, vertreten wurde, ist der Meinung, dass das Land in der Sprachförderung auf einem guten Weg ist. In Zukunft würden die verschiedenen Programme, die es bereits gibt, zusammengelegt, so dass die Förderung vereinfacht und optimiert werde. Was die Erkennung von Spracherwerbsstörungen bei Migrantenkindern anbelange, sei es so, dass diese derzeit viel zu spät erfolge. Laut Dr. Schick komme für diese Erkennung auch die Einschulungsuntersuchung im Alter von 4-5 Jahren zu spät. Es sei zu überlegen, wer eine geeignete Diagnostik schon zu einem früheren Zeitpunkt durchführen könnte.

Der Bundestagabgeordnete Arnold meinte abschließend, dass es wichtig wäre, die Einrichtungen noch besser auszustatten und qualifiziertes Personal vorhanden sein müsste, damit frühzeitig richtig erkannt werde, welche Förderung welches Kind benötige. „Die Erzieherinnen können diese Entscheidung nicht treffen, können aber speziell geschult und sensibel gemacht werden, ein Ersatz für qualifizierte Sprachtherapeuten sind sie aber nicht“, so Arnold.