Politik vor Ort: Enormes Interesse an der nachhaltigen Landwirtschaft

Biobauer Walter Alber war sichtlich zufrieden über den enormen Besucherandrang auf seinem Hof anlässlich der Veranstaltung zur nachhaltigen Landwirtschaft am 2. Mai 2007: "Es freut mich, dass so viele Leute in meinen alten Bullenstall gekommen sind", begrüßte er die rund 130 Gäste, die eng zusammen rücken mussten, um alle Platz zu finden.

Zuchtbullen hält Alber in dem Gebäude schon lange nicht mehr, dafür nutzt er den umgebauten Stall nun für Veranstaltungen, um vor allem Kinder hinter die Kulissen eines landwirtschaftlichen Betriebes blicken zu lassen. Kürzlich waren es nicht die "Kleinen" sondern die "Großen", die sich auf seinem Biolandhof einfanden.

tl_files/bilder/landwirtschaftsamll1.jpgBundestagsabgeordneter Rainer Arnold hatte die nachhaltige Landwirtschaft zum Thema gemacht, der Baiersbachhof von Bauer Alber war für die Diskussionsveranstaltung da der passende Ort.

Für genügend Gesprächs- und Diskussionsstoff sorgte der zu Beginn gezeigte Kinofilm "We feed the World", des österreichischen Regisseurs Erwin Wagendorfer, der über die industrialisierte Produktion unserer Lebensmittel anschaulich und in deutlichen Bildern berichtete.

Als die Bilder der Hühnerzuchtfabrik oder des Anbaus von Hybridpflanzen über die Leinwand flackerten, war die Betroffenheit in den Zuschauerreihen deutlich zu spüren, bemerkte Elvira Drobinski-Weiß. "Sind wir aber auch bereit mehr für gute Lebensmittel zu zahlen?", fragte die Offenburger Bundestagsabgeordnete, die in Berlin stellvertretende Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist und Rainer Arnold als Expertin zu der Veranstaltung eingeladen hatte. Nur zehn Prozent ihres Einkommens geben die Deutschen im Durchschnitt für Lebensmittel aus, und führen damit laut Consumer Study 2004 die Gruppe der Geizigen an. Erst nach uns kommen die Franzosen, Polen, Holländer, Briten und Italiener. "Allerdings haben wir die bestausgestatteten und teuersten Küche", sagte Drobinski-Weiß.

tl_files/bilder/landwirtschaftsmall.jpgDoch immerhin, Geiz ist nicht für jeden geil und der Trend zu Bioprodukten hält seit geraumer Zeit weiter an. "Bio ist in aller Munde, Bio ist in Mode", sagte Manfred Gebauer, Inhaber der "Gebauer's aktiv Frisch märkte". Gebauer versicherte, dass man sich auf die Kennzeichnung verlassen könnte: "Nichts werde so genau kontrolliert wie Bioprodukte."

Landwirt Alber wandte sich vor 17 Jahren von der Massenproduktion ab und stellte seinen Betrieb auf ökologischen Anbau um. Jahrelang hatte Alber von März bis August viel Chemie auf die Felder ausgebracht und jahrelang habe er im gleichen Zeitraum immer über gesundheitliche Beschwerden geklagt. Das sei nun vorbei. Als überzeugter Christ sehe er das, was die Natur ihm biete, als Gaben mit denen verantwortungsvoll und nachhaltig umgegangen werden müsse.

Für Biobauer Alber zählt nur die eigene Überzeugung, "Konzerne dagegen haben kein Herz für sie zählt nur der Profit", sagte er auch mit Blick auf die von großen Saatgutherstellern forcierten Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Gentechnik war es denn auch, welche die zahlreichen Gäste besonders umtrieb. Bundestagsabgeordneter Rainer Arnold sagte ganz klar, "wir brauchen das nicht." Für die Nürtinger Hochschule mit ihrem guten Ruf sei es kein gutes Zeichen mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und gegen alle Widerstände die Freilandversuche fortzusetzen. Arnold forderte eine bessere Kennzeichnung, auch Beimischungen aus gentechnisch veränderten Pflanzen müssten deutlich erkennbar gemacht werden. Elvira Drobinski-Weiß wünschte sich eine Kennzeichnung "ohne Gentechnik". Wenn viele Verbraucher sich für solche Produkte entscheiden würden, gebe es keinen Markt für Gentechnik-Produkte, dann müssten auch die Konzerne reagieren. Letztlich könne der Kunde immer noch selbst entscheiden, sagte Manfred Gebauer, und habe die Wahl beim Biobauer einzukaufen oder nicht.