Pressemitteilungen September 2009

Rainer Arnold zur Atomenergie (Nürtinger Zeitung)

Frage 3, 2. September 2009

Obwohl der Ausstieg fest vereinbart ist, fordern viele das Comeback der Atomenergie. Was gelten solche Verträge? Wie kann der Energiebedarf Deutschlands langfristig gedeckt werden?

Anstatt alte unsichere Atomkraftwerke schneller abzuschalten und im Gegenzug modernere länger laufen zu lassen, was der Ausstiegsvertrag vorsieht, gehen die Kraftwerksbetreiber den umgekehrten Weg und wollen Strommengen von neuen auf alte Kraftwerke übertragen. Der Grund ist klar, die alten Kraftwerke sollen so lange am Netz bleiben, bis eine schwarz-gelbe Regierung, so die Hoffnung der Betreiber, den Atomausstieg wieder kippt.

Die Probleme der Kernkraft, allen voran das Restrisiko mit seinen unabsehbaren Folgen und die Atommülllagerung, sind genauso bekannt wie ungelöst. Jetzt den Klimaschutz vorzuschieben, um an der Kernkraft festzuhalten, ist nicht nur ein durchschaubares Manöver sondern auch sachlich falsch. Eine zukunftsfähige Energieversorgung, die auf erneuerbaren Energien und hoch effizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen basieren muss, braucht dezentrale Strukturen. Kernkraftwerke sind mit einem solchen System nicht vereinbar. Sie brauchen zentrale Strukturen und hohe Auslastungen, d. h. das Kraftwerk muss möglichst ständig Strom produzieren. Bei einem hohen Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien ist dies aber nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass eine Laufzeitverlängerung nicht nur das Oligopol der großen Energiekonzerne zementiert und dezentrale Versorgungsstrukturen, die den Wettbewerb stärken, verhindert, auch die Investitionsdynamik beim Umbau der Energieversorgung würde gebremst werden.

Nein, Atomenergie - auch nur als vermeintliche Brückentechnologie – ist keine Antwort auf Klimaschutz oder Versorgungssicherheit. Effizienter Energieeinsatz, Sonne, Wind und Biomasse im Mix sowie im Übergang hocheffiziente fossile Kraftwerke, die schnell zugeschaltet werden können und Wärme und Strom zu gleich liefern, sichern unsere Energieversorgung.