Studienzentrum Weikersheim jetzt in Leinfelden-Echterdingen

Denkfabrik mit kleinen Schönheitsfehlern: Studienzentrum Weikersheim - jetzt in Leinfelden-Echterdingen

Das umstrittene Studienzentrum Weikersheim sitzt eigentlich seit langem nicht mehr in Weikersheim, sondern in Leinfelden-Echterdingen im Wahlkreis Nürtingen.

Der ehemalige Ministerpräsident Filbinger hatte 1979 das Zentrum in Weikersheim als christlich- konservatives "Studienzentrum für Zukunftsfragen" gegründet. Eine konservative Ideenschmiede sollte es werden, die politische Alternativen zu den Ideen der sogenannten "Kulturrevolution" aus den 1960er Jahren entwickeln sollte. Der derzeitige Ministerpräsident Oettinger war vom Amts wegen Kuratoriumsmitglied der umstrittenen Einrichtung, die in der Vergangenheit immer wieder durch enge Kontakte zu rechten Kreisen aufgefallen war. Obwohl das Zentrum nach außen hin stets um ein lupenreines Image bemüht war, fanden sich immer wieder höchst dubiose Namen unter den Gästen und Referenten, u.a. NPD- Sympathisant Horst Mahler und Günter Rohrmoser.

Im Sog des Wirbels um Filbinger war bekannt geworden, dass "Jung Weikersheim", die Nachwuchsorganisation der "konservativen Denkfabrik", den früheren Chef des Kommandos Spezialstreitkräfte der Bundeswehr (KSK) Reinhard Günzel zu einem Vortrag eingeladen hatte - pikanterweise für den 20. April (Hitlers Geburtstag).

Günzel war seinerzeit von Verteidigungsminister Peter Struck aus der Bundeswehr entlassen worden, nachdem er dem ehemaligen CDU- Abgeordneten Martin Hohmann zu einer als antisemitisch kritisierten Rede gratuliert hatte.

Etwaige Verflechtungen zum Rechtsextremismus weist Bernhard Friedmann, Präsident des Zentrums, kategorisch zurück: Alle Präsidiumsmitglieder seien "ausgewiesene Demokraten". Der Landesverfassungsschutz sieht dies allerdings anders und bestätigt entsprechende Kontakte des Zentrums.

Ein Blick ins erweiterte Umfeld des Zentrums dokumentiert eine große Nähe zur so genannten "Neuen Rechten", deren Anhänger versuchen, Brücken zwischen Rechtsextremisten und demokratisch denkenden Konservativen zu bauen. Rechtes und rechtsextremes Denken soll so intellektuell unterfüttert und in der gesellschaftlichen Mitte hoffähig gemacht werden.