Veranstaltung zum Klimwandel mit Staatssekretär Michael Müller in Filderstadt

Wir sind dabei die Atmosphärenfenster zu schließen

Staatssekretär Michael Müller in Filderstadt

Klimawandel erfordert gewaltigen Umbau

FILDERSTADT(pm). Michael Müller ist ein Umweltpolitiker und Klimaschützer der ersten Stunde. Rund 25 Jahre ist es her, als er erstmals öffentlich den menschengemachten Klimawandel zur Sprache brachte. Mittlerweile ist Müller parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium und ein gefragter Klimaexperte. Vergangene Woche kam er auf Einladung von Bundestagsabgeordneter Rainer Arnold (SPD) in die Filharmonie und berichtete vor rund 160 Gästen über den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Für Aufsehen sorgten die im Weltklimarat IPCC zusammenarbeitenden 4000 internationalen Wissenschaftler als sie im letzten Jahr ihren neuen Bericht veröffentlichten. Die Forscher lassen darin keine Zweifel mehr, dass der Wandel des Klimas menschengemacht ist und die Zeit zum Handeln drängt. Wie sehr das Weltklima aus den Fugen geraten könnte, machte Müller mit einigen Zahlen deutlich.

In den letzten 650.000 Jahren schwankten die durchschnittlichen Temperaturen zwischen Eis- und Warmzeiten nur um etwa 6°C. Nach Berechnungen der Wissenschaftler könnten die Temperaturen in diesem Jahrhundert um 4° Celsius steigen und damit die Höchstwerte der zurückliegenden Warmperioden weit übertreffen.

In wie weit Rückkopplungseffekte, beispielsweise wird weniger Sonnenlicht zurück ins All gestrahlt, wenn die Eisflächen der Erde zurück gehen, oder mehr Treibhausgas Methan entweicht in die Atmosphäre, wenn die Permafrostböden auftauen, die globale Erwärmung sogar noch beschleunigen könnten sei noch unklar. Sicher sei jedoch, die Erdtemperatur steige schon heute. "Wir sind dabei die Atmosphärenfenster zu schließen", sagte Müller und warnte, der Anstieg müsse auf 2° Celsius begrenzt werden, wie es die Klimaforscher des IPCC fordern. Dies erfordere einen gewaltigen wirtschaftlichen Umbau. "Klimaschutz kostet Geld", so Müller, "nicht geleisteter Klimaschutz sei aber ungleich teurer."

So hat die Bundesregierung die jährlichen Ausgaben für den Klimaschutz im Vergleich zum Vorjahr um 200 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro angehoben. Mit einem umfangreichen Energie- und Klimaprogramm will die Regierung bis 2020 die für die Klimaerwärmung maßgeblich verantwortlichen Kohlendioxidemissionen um 40 Prozent reduzieren. Deutschland folge damit wie nur wenige Staaten weltweit den Empfehlungen des IPCC. So zeigte sich Müller von der Weltklimakonferenz vergangenen Dezember auf Bali enttäuscht, auf der sich die Staaten nicht auf die 2°C-Grenze als Ziel einigen konnten. "Es wird weiter verhandelt, das ist ein positives Ergebnis von Bali. Aber die Forderungen der Klimaforscher wurden zur Fußnote einer Fußnote", sagte er.

Probleme, wie die Herausforderungen des Klimawandels, müsse man zum lösen erst "erkennen und dann durchdringen." Im Moment erkennen wir sie aber erst, so Müllers Einschätzung. Dennoch wollte der Umweltexperte den zahlreichen Gästen nicht den Mut nehmen. Die Vorreiterrolle Deutschlands sei außerordentlich wichtig. Erst wenn die Industrienationen eine nachhaltige Energieversorgung und Lebensweise vormachen würden, hätten Umweltschützer in Politik und Gesellschaft in den Entwicklungsländern eine Chance Klimaschutzmaßnahmen durchzusetzen. Mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), das Müller als "unglaublichen Erfolg" bezeichnete, habe Deutschland eine solche Vorreiterrolle übernommen. Das EEG habe den Stromanteil aus erneuerbaren Energien zwischen 2001 und 2007 von 6 auf 14,7 Prozent ansteigen lassen. Mittlerweile würden sich weltweit 48 Staaten an dem EEG orientieren.